Sie arbeiten in einem Unternehmen, in dem durch Fehler Unfälle oder große Schäden entstehen können? Ihre Sicherheit, die Ihrer Mitarbeiter oder Kunden ist bei Fehlern womöglich gefährdet? Dann sollten sie an einer entsprechende Fehler- und Unternehmenskultur im Sinne einer „Safety Culture“ (Sicherheitskultur) arbeiten. In der Luftfahrt ist dieses Thema ein zentraler Begriff. Um dieses Ideal zu erreichen ist die offene Kommunikation über Fehler – gerade wenn sie dieses Mal zu keinen Unfällen geführt haben – essentiell. Dafür ist der Wissenstransfer über und die Externalisierung von Fehlerquellen notwendig. Verwenden Sie die richtigen Instrumente, um eine „Safety Culture“ zu unterstützen? Anhand von Fallbeispielen soll meine Masterarbeit diese Frage aus Sicht eines Wissensmanagers beantworten.

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Safety Culture, Fehlerkultur & Wissenstrasfer (Grafik by @maex_cer / CC-BY 4.0)

Ausgangssituation & Problemhintergrund

In der Luftfahrt spielt Sicherheit eine große Rolle. Die professionelle Einstellung des gesamten Personals eines Luftfahrtunternehmens im Allgemeinen und der Piloten im Speziellen sind dabei von wesentlicher Bedeutung. Die Unternehmenskultur sollte dem Ideal einer „Safty Culture“ entsprechen. Dieser Begriff ist auch Bestandteil der Pilotenausbildung. Dadurch soll mit Fehlern offen umgegangen werden und eine entsprechende Informations- und Wissensverteilung innerhalb der Organisation, sowie auch zwischen den Luftfahrtfahrtunternehmen, zur zuständigen Behörde und der Luftfahrtindustrie stattfinden. Wissenstransfer, -organisation, -vernetzung und das Externalisieren von Wissen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Diesbezüglich schreibt die EU-Verordnung 376/2014 [1] in Absatz 6 vor:

Zur Verbesserung der Flugsicherheit sollten sicherheitsrelevante Informationen aus der Zivilluftfahrt gemeldet, erfasst, gespeichert, geschützt, ausgetauscht, verbreitet und analysiert sowie auf der Grundlage der erfassten Informationen geeignete Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden.

Persönlicher Zugang

Ich selber bin Militärhubschrauberpilot und interessiere mich für die Instrumente [2], die für diese Zwecke eingesetzt und wie diese genutzt werden. Dabei möchte ich bei ausgewählten kommerziellen Hubschrauber-Flugunternehmen und –Flugschulen in Österreich die unterschiedlichen Instrumente für Wissenstransfer und –vernetzung beleuchten:

  • Wo liegen die Vor- und Nachteile?
  • Wie werden diese genutzt?
  • Tragen sie zu einer „Safety Culture“ im Unternehmen bei?

Fragestellung

  1. Welche Instrumente zur Erfassung von sicherheitsrelevanten Maßnahmen finden in den unterschiedlichen Organisationen Anwendung? Welche nicht? Warum nicht?
  2. Inwieweit tragen Instrumente für den Transfer, die Vernetzung und die Externalisierung von Wissen zu einer „Safety-Culture“ bei ausgewählten Hubschrauber-Flugunternehmen in Österreich bei?

Ziel und Nutzen

  • Die Arbeit soll einen Überblick über die entsprechenden derzeit verwendeten Instrumente bei kommerziellen Hubschrauber-Flugunternehmen in Österreich geben. (Falls unterschiedliche Instrumente in Verwendung sind.)
  • Es soll gezeigt werden, warum einige dieser Instrumente mehr genutzt werden als andere. (Falls unterschiedliche Instrumente in Verwendung sind.)
  • Der Einfluss dieser Instrumente auf die „Safety Culture“ soll dargestellt werden.

Der Nutzen der Arbeit liegt in der Möglichkeit der Darstellung, dass der optimale Einsatz von Instrumenten für den Transfer, die Vernetzung und die Externalisierung von Wissen einen positiven Einfluss auf die Sicherheit der Luftfahrt als strategisches Ziel eines Luftfahrtunternehmens haben kann.

Forschungsmethodik

In drei ausgewählten Hubschrauber-Flugunternehmen in Österreich werden Systeme zur Erfassung von sicherheitsrelevanten Informationen verwendet. Dabei handelt sich um Instrumente für den Transfer, die Vernetzung und die Externalisierung von Wissen im Bereich des Flugbetriebs. Die Nutzer sind dabei vorwiegend Piloten. Jede dieser Organisation stellt jeweils ein Fallbeispiel dar.

Aus entsprechenden Studien über „Safety-Culture“ wird ein Model mit relevanten Einflussfaktoren ausgewählt. Aus Studien über die Auswirkungen von Wissensmanagement-Instrumenten auf die Leistung von Organisationen beziehungsweise Unternehmen werden die allgemeinen Zusammenhänge zwischen diesen Instrumenten und den vorher erwähnten Einflussfaktoren dargestellt.

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Konzept der Masterarbeit (Grafik by @maex_cer / CC-BY 4.0)

In jedem Unternehmen wird ein Leitfadeninterview mit dem Verantwortlichen für den Flugbetrieb geführt. Diese drei Experteninterviews werden qualitativ ausgewertet, um aus Sicht der jeweiligen Unternehmensführung darstellen zu können, welche Kausalmechanismen zwischen der Nutzung der jeweiligen Instrumente und den relevanten Einflussfaktoren für die „Safety Culture“ bestehen.

Anschließende Fragebögen an die Piloten der jeweiligen Unternehmen werden quantitativ ausgewertet, um die Perspektive der Nutzer zu evaluieren. Damit soll statistisch das Kausalmodell zwischen den eingesetzten Instrumenten und den Einflussfaktoren geprüft werden.

Quellen

[1] Europäische Union (2014). Verordnung (EU) No 376/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 03. April 2014 über die Meldung, Analyse und Weiterverfolgung von Ereignissen in der Zivilluftfahrt, ABl. L122 vom 24.04.2014, S. 18-43.

[2] Tiwana, A. (2000). The Knowledge Management Toolkit. Practical Techniques for Building a Knowledge Management System. New York: Prentice Hall PTR. ISBN: 0-13-02853-8

Interne Links

Mein Beitrag über Methoden (keine Instrumente) des Wissenstransfers:

Wissenstransfer – Darstellung mit Methoden-Landkarte

Das Projekt in researchgate.net

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2 Gedanken zu „Teilen von Wissen & Safety Culture

  • 31/01/2018 um 14:52
    Permalink

    Lieber Markus – ein interessantes Konzept zur Thesis und sehr anschauliche Grafiken!

    Beim Wort „Wissenstransfer“ zucke ich immer ein bisschen zusammen.
    Wie verstehst du eigentlich den Begriff? Laut Wikipedia wird ja zwischen neuerem und älterem Ansatz unterschieden, ich schätze zu meinst neueren?

    „Instrumenten für den Transfer, die Vernetzung und die Externalisierung von Wissen“ schreibst du – aber ist es nicht eher in einer anderen Reihenfolge? Zuerst muss man Externalisieren, damit dam dann „transferieren“ und vernetzen kann – wobei ich denke, dass es immer um einen Wissenskonstruktionsprozess geht, also ein „Transfer“ so gar nicht möglich ist. Wenn es um die Experten-Laien-Kommunikation geht, bzw. von Master zu Apprentice quasi, dann würde ich auf jeden Fall Polanyi (The Tacit Dimension) lesen! Das könnte dir vielleicht weiterhelfen!
    Aber es gibt da sicherlich mehrere Strömungen, ich komme da eher kognitiv-phänomenologische Lerntheorie, denke ich.

    Liebe Grüße! 🙂

    Antworten
    • 04/02/2018 um 17:08
      Permalink

      Liebe Isabell!

      Danke für deinen interessanten Kommentar und die Anmerkungen/Hinweise. Die Reihenfolge der Begriffe habe ich deshalb so gewählt, weil es bei sicherheitsrelevanten Informationen und entsprechendem Wissen zuallererst um die Weitergabe und Verteilung geht. Ich möchte bei der Untersuchung von geeigneten Instrumenten auch ganz konventionelle wie das Telefon oder Besprechungen nicht ausschließen. Dabei muss das Wissen nicht unbedingt zuerst Externalisiert werden, außer man erachtet die Umwandlung in gesprochene Sprache auch als Externalisierung.
      Bei meinen Betrachtungen ist es weniger von Bedeutung, ob der Wissenstransfer streng wissenschaftlich überhaupt möglich ist. Wichtig für mich ist nur, dass es Instrumente gibt, die für eine Weitergabe von Wissen – so weit eben möglich – verwendet werden. Dass zwischen Menschen nur Daten oder Informationen (auch Sprache) ausgetauscht werden können, ist für meine Betrachtungen zweitrangig.

      Liebe Grüße

      Antworten

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