Sie möchten wissen, ob Ihre Mitarbeiter die Ziele der Organisation kennen und sich damit identifizieren? Gibt es Unterschiede zwischen Führungskräften und Mitarbeitern? Gibt es Unterschiede in der Zufriedenheit auf verschiedenen Standorten? Hängt das Ergebnis mit der Altersstruktur zusammen? Mit einem guten Fragebogen, etwas Statistik- und EXCEL-Kenntnissen können Sie wertvolle Erkenntnisse für Ihre Interne Kommunikation ableiten. (Dieser Beitrag ist eine Abschlussarbeit im Fach Forschungs- und Entwicklungsmethodik an der FH Burgenland bei Claus Braunecker.)

Der Fall wurde aus eigenem Forschungsinteresse gewählt. Die einzelnen EXCEL-Tabellen und Formeln werden in einem eigenen Beitrag erörtert.

Die Organisation „Skywalker GmbH“

Die „Skywalker GmbH“ ist auf zwei Standorte – Linz und Wien – aufgeteilt. Sie beschäftigt 1200 Angestellte. Das Personal kann in zwei Funkionen aufgeteilt werden: Mitarbeiter und Führungskräfte. Die Aufbauorganisation besteht aus drei Ebenen, wobei sich der Firmensitz und die oberste Ebene am Standort Linz befindet.

In der Organisation „Skywalker GmbH“ wurde von einem neuen Geschäftsführer übernommen. Dieser möchte sich vorweg ein Bild über seine neuen Mitarbeiter und Führungskräfte machen. Es ist ihm besonders wichtig, bevorstehende Neuerungen durch Maßnahmen der Internen Kommunikation zu begleiten. Dazu ist es notwendig, die Effizienz der bestehenden, zuständigen Abteilung zu überprüfen. Durch einen Fragebogen und eine entsprechende quantitative Auswertung sollen folgende Fragen beantwortet und folgende Hypothesen überprüft werden:

  1. Wie zufrieden sind die Mitarbeiter mit den jeweiligen Führungskräften?
  2. Wie gut kennt das Personal die Ziele der Organisation?
  3. Personen der unteren Organisationsebene sind die Ziele weniger bekannt.
  4. Je länger die Personen in der Organisation beschäftigt sind, desto weniger können Sie sich mit den Zielen identifizieren.
  5. Die Personen am Standort Linz können sich mit den Organisaionszielen mehr identifizieren, als jene in Wien.

Grundgesamtheit und Stichprobe

Da es sich um eine interne Befragung handelt, wird die Grundgesamtheit wie folgt definiert:

Alle Personen, die derzeit ein Anstellungsverhältnis von mehr als drei Jahren beim Unternehmen „Skywalker GmbH“ haben.

Damit werden Mitarbeiter von externen Firmen und jene ausgeschlossen, die nur vorübergehend mit kurzen Verträgen eine gewisse Zeit überbrücken möchten. Da in der Personalabteilung sämtliche Daten aufliegen ist die Schichtung der Grundgesamtheit bekannt. Aus ökonomischen Gründen möchte der Geschäftsführer nicht viel Aufsehen erregen und deshalb soll die Forschung eine Anzahl von 300 Befragungen nicht überschreiten. Mit dieser Obergrenze muss nun eine passende Stichprobe gefunden werden. Die Teilnehmer sollen zufällig ausgewählt werden, um eine subjektive Färbung zu verhindern. Da die Beantwortung des Fragebogens angeordnet wird, rechnet man mit einer relativ hohen Rücklaufquote von 70%. In Tabelle 1 wird eine proportionale und eine disproportionale Stichprobe verglichen.

Tabelle 1: Grundgesamtheit und Stichproben 2017-01-23
Tabelle 1: Grundgesamtheit und Stichproben 2017-01-23

Achtung!

Tabelle 1 ist fehlerhaft! In der EXCEL-Formel für die Berechnung der maximalen Schwankungsbreiten wurde eine Klammer falsch eingegeben und der Faktor 2 wurde vergessen. In Tabelle 1.1 wurde dieser Fehler behoben. Die fehlerhafte Tabelle bleibt trotzdem in diesem Beitrag, um den Fehler zu verdeutlichen.

skywalker_Grundgesamtheit 2017-01-26
Tabelle 1.1: Grundgesamtheit und Stichproben mit korrigierten Schwankungsbreiten 2017-01-26

Es wird eine disproportionale Stichprobe gewählt. Bei Gesamtaussagen muss entsprechend gewichtet werden. Die proportionale Stichprobe hat den Nachteil, dass der Umfang von bestimmten Gruppen zu klein ist, um verlässliche Aussagen über die Grundgesamtheit liefern zu können. Die Schwankungsbreiten wären zu groß. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass die Berechnung der Schwankungsbreiten nur für reine Zufallsstichproben korrekt ist. Hier handelt es sich um eine mehrdimensionale Vorschichtung. Das bedeutet, dass beispielsweise die Gruppe der Führungskräfte keine reine Zufallsauswahl ist, sondern nach Standort, Organisationsebene und Beschäftigungsjahren geschichtet ist. Man kann annehmen, dass die Schwankungsbreiten daher geringer sind.

Erhebungsdesign

Die erste Erhebung soll quantitativ durchgeführt werden. Daraus können sich weitere Studien ergeben, die möglicherweise qualitativ ausgewertet werden. Die Beantwortung der Fragebögen soll möglichst wenig Umstände machen und rasch erledigt sein. Der Fragebogen wird als Online-Formular erstellt und ist im Intranet verfügbar. Dies ist möglich, da jeder Mitarbeiter der „Skywalker GmbH“ über einen Intranet-Zugang verfügt und sich ohnehin einmal im Monat dort anmelden muss, um Anwendungen der Verwaltung zu erledigen. Per E-Mail werden die Teilnehmer der Stichprobe aufgefordert, sich kurz für die Beantwortung Zeit zu nehmen. Der Fragebogen wird zwei Monate verfügbar sein, um auch Personen, die sich möglicherweise im Urlaub oder Krankenstand befinden zu erreichen. Die Rücklaufquote kann somit gesteigert werden.

Der Fragebogen

Sie wurden als Mitarbeiter/Führungskraft der unteren/mittleren/obersten Organisationsebene zufällig ausgewählt. Wir fordern Sie dazu auf, uns Ihre Angaben ehrlich mitzuteilen. Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie uns, unser Unternehmen weiter voran zu bringen. Damit sichern Sie unsere gemeinsame Zukunft. Wir haben uns bemüht Ihren Aufwand so gering wie möglich zu gestalten.

Angaben zu Person:

Alter: [frei Eingabe von Zahlen zwischen 16 und 65]

Seit wann sind Sie in der Organisation beschäftigt: [Auswahlfeld mit Jahreszahlen]

Auf welchem Standort arbeiten Sie: [Auswahlfeld mit Linz und Wien]

Ihre Meinung zu unseren Zielen:

Ich kenne die Ziele unserer Organisation sehr genau und bin ausreichend darüber informiert.

[stimme zu / stimme eher zu / stimme eher nicht zu / stimme nicht zu]

Ich kann mich mit diesen Zielen gut identifizieren.

[stimme zu / stimme eher zu / stimme eher nicht zu / stimme nicht zu]

Wenn Sie nicht zustimmen, woran liegt es: [freie Eingabe]

Zufriedenheit mit …

Ich bin mit den Mitarbeitern/Führungskräften meiner Ebene …

[sehr zufrieden / eher zufrieden / eher unzufrieden / sehr unzufrieden]

Ich bin mit der Arbeit der Führungskräfte der obersten Ebene …

[sehr zufrieden / eher zufrieden / eher unzufrieden / sehr unzufrieden]

Ich bin mit der Arbeit meiner untergeordneten Ebene …

[sehr zufrieden / eher zufrieden / eher unzufrieden / sehr unzufrieden]

Die Auswertungsplanung

Wie zufrieden sind die Mitarbeiter mit den jeweiligen Führungskräften?

Die Fragestellung kann mit der Auswertung einer Variablen beantwortet werden. Man muss nur die Antworten der Teilmenge der Mitarbeiter betrachten. Es wird der Mittelwert der Angabe der Zufriedenheit der Mitarbeiter berechnet. Obwohl die betreffende Skala ordinal ist (1 = sehr zufrieden, 2 = eher zufrieden, 3 = eher unzufrieden, 4 = sehr unzufrieden) und der Mittelwert selber nicht in der Skala vorkommt, macht diese Berechnung Sinn. Der Vollständigkeit halber wird auch der Median und der Modalwert angegeben.

skywalker_Zufriedenheit_MA mit FüK 2017-01-26
Tabelle 2: Zufreidenheit der MA mit den FüK 2017-01-26

Die Mitarbeiter sind also im Allgemeinen mit ihren Führungskräften eher unzufrieden.

Wie gut kennt das Personal die Ziele der Organisation?

Auch bei dieser Frage reicht es, eine Variable auszuwerten. Dieser wurde wieder eine Ordinalskala zugewiesen (1 = kenne die Ziele sehr genau, 2 = kenne die Ziele eher genau, 3 = kenne die Ziele eher nicht, 4 = kenne die Ziele nicht). Allerdings muss die gesamte Stichprobe ausgewertet werden. Hier wurde entschieden, aus der vorliegenden Stichprobe eine proportional geschichtete Stichprobe bezüglich der Organisationsebenen zu berechnen. Die Antworten der Personen aus jeder Ebene ergeben drei Mittelwerte. Um ein Gesamtergebnis zu erhalten, muss aus diesen drei Werten ein gewichteter Mittelwert ermittelt werden.

skywalker_Bekanntheit_Ziele 2017-01-26
Tabelle 3: Bekanntheit der Ziele 2017-01-26

Da sich die Schichtung der Stichprobe von jener der Grundgesamtheit kaum unterscheidet, sind ist auch der Unterschied zwischen dem arithmetischen und dem gewichteten Mittel sehr gering. Das Ergebnis zeigt, dass die Personen die Ziele der Organisation wenig bis kaum kennen.

Personen der unteren Organisationsebene sind die Ziele weniger bekannt.

Für die Beantwortung dieser Frage müssen zwei Variablen verglichen werden: jene der Organisationsebene (Nominalskala) und die der Bekanntheit der Ziele (Ordinalskala); Aus den einzelnen Mittelwerten von Tabelle 3 lässt sich schon ein Trend erkennen. Trotzdem werden in einer Kreuztabelle die Häufigkeiten der beiden Variablen verglichen. Die relativen Häufigkeiten in Tabelle 4 beziehen sich auf die Spaltensummen (unten).

skywalker_Bekanntheit_Ziele_Ebenen 2017-01-23
Tabelle 4: Kreuztabelle mit absoluten und relativen Häufigkeiten 2017-01-23

Hier habe ich Videos (YouTube) über Kreuztabellen in SPSS und die Berechnung in EXCEL gefunden.

Der Zusammenhang wird noch deutlicher, wenn man diese Verteilung auch grafisch darstellt. Das nachfolgende Diagramm zeigt die relativen Häufigkeiten der Angaben über die Bekanntheit der Organisationsziele in den einzelnen Ebenen.

skywalker_Diagramm_Häufigkeit_Bekanntheit_Ebene 2017-01-23
Diagramm 1: relative Häufigkeitsverteilung mit Trendlinien 2017-01-23

Das Balkendiagramm und die Trendlinien verdeutlichen, dass relativ viele Personen in der unteren Ebene die Ziele nicht oder eher nicht kennen, wohingegen nur relativ wenige von den Befragten die Ziele sehr gut kennen. Sehr gut bekannt sind die Ziele nur bei relativ vielen Personen in der oberen Ebene.

Je länger die Personen in der Organisation beschäftigt sind, desto weniger können Sie sich mit den Organisationszielen identifizieren.

Diese „je …, desto …“-Frage kann man sehr schön mit der Korrelation zeigen. In diesem Fall liegen aber leider nicht zwei Rationalskalen vor. Die Vergleichswerte sind Beschäftigungsjahre (rational) und Identifikation mit den Zielen (ordinal). Es wäre sinnvoll die Mittelwerte der Beschäftigungsjahre der einzelnen Kategorien der Identifikation zu vergleichen. Dafür muss man allerdings zuerst die Schichtung der Stichprobe bezüglich der Beschäftigungsjahre betrachten.

skywalker_Beschäftigung_Stichprobe 2017-01-26
Tabelle 5: Schichtung und Gewichtung der Stichprobe bezüglich der Beschäftigungsjahre 2017-01-26

Die Stichprobe ist disproportional, weil unter anderem die Gruppe der länger beschäftigten Personen (länger als 20 Jahre) überrepräsentiert ist. Dadurch muss das gewichtete Mittel der jeweiligen Beschäftigungsjahre für die Kategorien der Identifikation berechnet werden.

skywalker_Identifikation_gewMittel_Beschäftigung 2017-01-25
Tabelle 6: gewichtete Mittelwerte der Beschäftigungsjahre 2017-01-25

Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass die mittlere Beschäftigungsdauer von jenen Personen, die sich sehr gut mit den Zielen identifizieren (18,12 Jahre) höher ist als jene derer Personen, die sich schlecht oder sehr wenig mit diesen Zielen identifizieren (15,1 Jahre). Diese Tabelle führt zu dem Schluss, dass mit längerer Beschäftigung die Identifikation steigt.

Sehen wir uns dabei noch die Kreuztabelle und Häufigkeitsverteilung an. Die Stichprobe lässt ja ohne Gewichtung einen Schluss von der jeweiligen Kategorie der Beschäftigungsjahre auf die entsprechende Teilmenge der Grundgesamtheit zu.

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Tabelle 7:  Kreuztabelle mit absoluten und relativen Häufigkeiten 2017-01-25

Die relativen Häufigkeiten in Tabelle 7 beziehen sich auf die Zeilensummen (rechts). Die grafische Darstellung wird in Diagramm 2 gezeigt.

skywalker_Diagramm_Häufigkeit_Identifikation_Beschäftigung_v2 2017-01-25
Diagramm 2: relative Häufigkeitsverteilung mit Trendlinien 2017-01-25

Diagramm 2 zeigt deutlich, dass in jeder Gruppe von Beschäftigungsjahren der Anteil jener, die sich eher oder sehr wenig mit den Organisationszielen identifizieren können überwiegt. Der Anteil jener Personen, die sich mit den Zielen sehr wenig identifizieren können, stiegt im Allgemeinen leicht an. Bei näherer Betrachtung sieht man aber einen markanten Anstieg in der zweiten Kategorie und danach wieder einen flachen Abstieg. Markante Trends sind nicht erkennbar. Die Hypothese lässt sich durch diese Stichprobe nicht bestätigen. Durch die Berechnung der Signifikanz mit dem Chi-Quadrat-Test kann die Wahrscheinlichkeit der Null-Hypothese berechnet werden.

Ich nutze diese Frage, um die Schwankungsbreiten genauer zu erörtern. Bei dieser Frage werden diese genau berechnet, weil man den Anteil, derjenigen kennt, die bei der Stichprobe ein bestimmtes Merkmal ausgewählt haben (Identifikation mit den Organisationszielen). Hier wird davon ausgegangen, dass die Stichprobe eine reine Zufallsauswahl ist. Durch die Vorschichtung ergeben sich wahrscheinlich geringere Schwankungsbreiten.

skywalker_Identifikation_Schwankungsbreiten 2017-01-26
Tabelle 8: Schwankungsbreiten der Aussagen bezüglich der Identifikation mit den Zielen 2017-01-26

Dieses Ergebnis bedeutet, dass mit 95,5%-iger Wahrscheinlichkeit der Anteil jener Personen aus der Grundgesamtheit, die sich mit den Zielen seht gut identifizieren, zwischen 5,5% (9 – 3,5) und 12,5% (9 + 3,5) liegt.

Die Personen am Standort Linz können sich mit den Organisaionszielen mehr identifizieren, als jene in Wien.

… Kreuztabelle, Signifikanz

Cover_Braunecker_quantitativ_SPSS 2017-01-22
Braunecker C: How to Empire, How to do SPSS. facultas 2016.

Dieser Beitrag ist noch nicht fertig und wird weiter überarbeitet!

Als Primärquelle für diesen Beitrag wurden die Unterlagen der Vorlesung von Claus Braunecker verwendet. Auf weitere Quellen wurde im Beitrag verwiesen.

 

Vertiefende Literatur:

Organisationsziele & Kommunikation – Fragebogen & Auswertung
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